Proqualis

Im Auftrag des Landes Oberösterreich führte das Kompetenznetzwerk im Projekt Proqualis von 2012 bis 2025 Peerbefragungen in den Einrichtungen der Behindertenhilfe in Oberösterreich durch. Das Kompetenznetzwerk KI-I entwickelte im Befragungsinstrumente in Leichter Sprache für unterschiedliche Aufgabenstellungen. In nahezu allen Einrichtungen der Behindertenhilfe in Oberösterreich wurden Befragungen insbesondere in den Bereichen Arbeit und Wohnen durchgeführt.

Die Peerbefrager:innen führten die Befragungen selbstständig durch. Die Ergebnisse wurden wissenschaftlich ausgewertet und anschließend in Leichter Sprache aufbereitet und präsentiert. Dadurch konnten die Perspektiven der befragten Menschen unmittelbar erhoben und für die Qualitätsentwicklung nutzbar gemacht werden.

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die Zusammenarbeit der Peerbefrager:innen mit dem multiprofessionellen Team des KI-I. Gemeinsam wurden unter anderem Werkzeuge für die Verwaltung der Fragebögen, die Erfassung und Auswertung der Ergebnisse sowie für die teilautomatisierte Erstellung von Auswertungsberichten in Leichter Sprache entwickelt.

Die Erhebung erfolgte dabei mittels standardisiertem Fragebogen und basierte auf der aktiv emanzipatorischen Methode. Das heißt, Menschen mit Beeinträchtigungen waren in allen Phasen der Forschung, Entwicklung und Umsetzung involviert. Der Fragebogen wurden in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Zielgruppe entwickelt.
Inhaltlich orientierte sich der Fragebogen stark an der Lebenswelt der Betroffenen und umfasste die Dimensionen Selbstbestimmung, Sicherheit, Normalisierung, Förderung, Betreuung und Privatsphäre. Zudem waren die Fragen in leichter Sprache geschrieben und speziell auf die Bedürfnisse der betroffenen Menschen abgestimmt.

Diese technischen und organisatorischen Lösungen ermöglichten es auch Peerbefrager:innen mit kognitiver Beeinträchtigung, ihre Aufgaben weitgehend selbstständig und professionell wahrzunehmen. Damit schuf Proqualis nicht nur ein Instrument der Qualitätssicherung, sondern auch konkrete Beschäftigungs- und Teilhabemöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen.

Nach dem Leitsatz: “Alles okay oder kann man noch etwas besser machen?“ überprüfte das multiprofessionelle Team von Proqualis die Qualität von Dienstleistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Dies geschah durch die direkte Befragung der KundInnen von Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Proqualis arbeitete nach dem Peer-Prinzip: Die EvaluatorInnen waren selbst KundInnen von Dienstleistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie hatten einen dreijährigen Lehrgang zum Qualitätsevaluator bzw. zur Qualitätsevaluatorin erfolgreich abgeschlossen und ermöglichen den Befragten ein Interview im Austausch mit Gleichgesinnten.

Die Evaluierung der Qualität von Dienstleistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen konnte durch diese intensive Einbeziehung der Zielgruppe einen wichtigen Beitrag zur Optimierung des Qualitätsmanagements und der Kundenzufriedenheit in Einrichtungen der Behindertenhilfe leisten.

Neben den Peerbefragungen unterstützte das Proqualis-Team das Land Oberösterreich bei der Planung und Durchführung barrierefreier Veranstaltungen. Darüber hinaus wurden Vorträge und Schulungen zu aktuellen Themen entwickelt und abgehalten, unter anderem zum Thema „Mut zur integrativen Beschäftigung“.

Proqualis war damit über viele Jahre ein wichtiger Partner der Abteilung Soziales des Landes Oberösterreich und verband wissenschaftliche Qualitätssicherung, technische Innovation und gelebte Inklusion.